Grenzen setzen Nein sagen

Grenzen setzen – NEIN sagen: Hilfsbereitschaft wird oft ausgenutzt

Nur sehr wenige Menschen beherrschen das NEIN-Sagen und das Grenzen setzen, wenn es darum geht, Aufgaben zu übernehmen, obwohl man damit eigentlich überfordert ist. Im Job möchte man stets gute Leistungen erbringen und vor Chef, Kollegen, Mitarbeitern oder auch Kunden und Geschäftspartnern nicht als Schwächling dastehen. Und genau diese Menschen, die kein Projektangebot, keine Aufgabe ausschlagen können und immer brav JA sagen, sind bei ihrem Umfeld besonders beliebt. Macht es doch vieles für einen selbst leichter, wenn man weiß, dass da jemand ist, der immer bereitwillig alle ihm auferlegten Aufgaben übernimmt und diese auch pünktlich erledigt.
Das gilt aber nicht nur für das Berufsleben, sondern auf für den privaten Alltag. Ganz gleich, ob Berufs- oder Privatleben, wer nicht NEIN sagen kann, gerät sehr schnell in einen Teufelskreis. Denn wir kennen das Sprichwort „Wenn man den kleinen Finger reicht, wird gleich die ganze Hand genommen.“ alle. Wer seine Hilfe immer wieder bereitwillig anbietet und nicht NEIN sagen kann, braucht sich nicht wundern, wenn man sich langfristig überlastet fühlt, sich immer wieder verzettelt oder ständig Fehler macht, weil man mit dem hohen Aufkommen an Aufgaben komplett überfordert ist.

Persönliche Grenzen – grundsätzlich verschieden

Wie viele Aufgaben jemand gleichzeitig erfüllen kann und wie hoch das maximal mögliche Arbeitsaufkommen ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Jeder von uns hat seine ganz persönlichen Grenzen, diese wiederum sind abhängig von anerzogenen Werten, von persönlichen Erfahrungen und der eigenen Einstellung. Während der eine Kollege zum Beispiel gerne Überstunden macht und auch am Wochenende arbeitet, weil er in seinem Beruf einfach die Erfüllung gefunden hat und voll darin aufgeht, gehörst du vielleicht zu den Menschen, die einfach auch feste Zeiten für sich selbst und für ihre Familie und damit Abstand zum Berufsleben benötigen. Während der eine flexibel ist und sich schnell auf neue Situationen einstellen kann, braucht der andere fest planbare Arbeits- und Privatzeit und ist mit schnellen Situationswechseln gegebenenfalls überfordert.
Wer seine Grenzen kennt, weiß genau, wann er STOPP bzw. NEIN sagen muss. Das Problem ist jedoch, dass den meisten von uns unsere individuellen Grenzen gar nicht bewusst sind. Viele von uns wissen nämlich gar nicht, ab welchem Zeitpunkt die persönliche Grenze erreicht oder sogar bereits überschritten ist. Meistens erfährt man von seiner persönlichen Grenze erst, wenn man sie direkt spürt, indem man überfordert ist, Fehler macht, sich verzettelt, gestresst und erschöpft ist oder sich auch verletzt fühlt. Und genau aus diesem Grund kann es sehr schmerzhaft sein, seine Grenzen zu entdecken. Bist du dir deiner Grenzen bewusst, dann ist der nächste Schritt, NEIN sagen zu lernen.

Grenzen setzen
Jeder Mensch hat individuelle Belastungsgrenzen

Warum du nicht NEIN sagen kannst – mögliche Ursachen

Wie ich bereits erwähnt habe, ergeben sich persönliche Grenzen aus Erfahrungen, bestimmten Erlebnissen und auch persönlichen Einstellungen und Werten. Ebenso vielschichtig und unterschiedlich sind die Ursachen dafür, dass man nicht NEIN sagen kann. Mögliche Ursachen können folgende sein:

1.) Du hast Angst vor Ablehnung:
Viele Menschen haben Angst davor, dass ihnen die Freundschaft gekündigt werden könnte oder sie vom Chef oder von Kollegen keine Anerkennung mehr bekommen, wenn sie einer Bitte mal nicht nachgehen und ihre Hilfe verweigern.

2.) Du hast Angst vor möglichen Konsequenzen:
Insbesondere im Berufsleben haben Angestellte oft Angst, dass sie gekündigt und durch neue Mitarbeiter ersetzt werden könnten oder dass ihnen zumindest Teil-Verantwortlichkeiten oder beliebte Arbeitsbereiche entzogen werden, wenn sie NEIN sagen und damit ihre Hilfe ablehnen. Ebenso besteht oft die Angst davor, aufgrund der Hilfeverweigerung nicht befördert zu werden oder eine Gehaltserhöhung zu bekommen.

3.) Du hast Angst davor, etwas zu verpassen:
Ob es das Feierabendbier mit den Kollegen ist, der Brunch mit Freunden am Sonntag oder der tägliche Live-Stream mit Geschäftspartnern – du kannst einfach nicht darauf verzichten und musst immer dabei sein, weil du Angst hast, du könntest sonst etwas verpassen. Selbstverständlich ist es Gift für jede Beziehung, sowohl im Privat- wie auch im Berufsleben, sich permanent von den anderen abzusondern. Aber das heißt noch lange nicht, dass du immer dabei sein musst und dafür chronischen Schlafmangel, Erschöpfung und mangelnde Leistungsfähigkeit riskierst.

4.) Du fühlst dich immer für alles verantwortlich:
Dein Chef kommt mit seinem Projekt einfach nicht voran, der Kollege ist mit seinen Aufgaben völlig überfordert, und deine beste Freundin benötigt am Wochenende immer öfter einen Babysitter, weil sie sich von dem ganzen Stress mit den Kids beim Feiern abreagieren muss. Du verspürst ständig Mitleid und fühlst dich einfach dafür verantwortlich, deinen Mitmenschen unter die Arme zu greifen, wenn du merkst, dass sie es allein nicht schaffen.

5.) Du leidest am sogenannten Helfer-Syndrom:
Es gibt Menschen, die streben permanent nach dem Gefühl, gebraucht zu werden. In den meisten Fällen hat das etwas mit mangelndem Selbstwertgefühl und Minderwertigkeitskomplexen zu tun. Allerdings führt dieses ewige Aufopfern in den wenigsten Fällen zu mehr Anerkennung und Selbstbewusstsein, sondern eher zu Dauerstress und Erschöpfung bis hin zum Burnout.

Nein sagen
Viele Menschen können nicht NEIN sagen

Grenzen setzen, NEIN sagen lernen – verschiedene Möglichkeiten, wie du dabei vorgehen kannst

Grundsätzlich ist ein gesundes Maß an Selbstbewusstsein notwendig, um ohne schlechtes Gewissen, Schuldgefühle und Ängste NEIN sagen und die Bitte um Hilfe ablehnen zu können. Dazu gehört in erster Linie die Akzeptanz seiner selbst, also ausreichend Selbstliebe und Selbstachtung. Wer ein gutes Selbstwertgefühl hat, profitiert demnach auch von mentaler Stärke und damit verbunden von mehr Freiheit im Leben. Denn seine persönlichen Grenzen zu kennen und zu akzeptieren und NEIN zu sagen bedeutet gleichzeitig, sich von vielen Zwängen, Ängsten und Schuldgefühlen zu befreien.


Folgende Tipps können dir dabei helfen, NEIN zu sagen:

1.) Biete Alternativen an, z.B.: „Ich habe heute Abend bereits einen anderen Termin wahrzunehmen, aber ich kann bei der Vorbereitung der Veranstaltung mithelfen.“

2.) Sei konsequent und fasse deine Ablehnung deutlich in Worte, z.B.: „Ich habe bereits die Projektleitung der letzten Kampagne übernommen, dieses Mal kann das ein anderer Kollege übernehmen.“

3.) Bitte um Verständnis, z.B.: „Vielen Dank für die Einladung, aber ich habe ehrlich gesagt schon andere Pläne für das Wochenende und meiner Familie versprochen, dass ich die Zeit mit ihr verbringe.“

4.) Verdeutliche die Folgen, z.B.: „Ich betreue bereits zwei Projekte. Wenn ich dieses Projekt nun auch noch übernehmen muss, dann werde ich die Deadline um xx Wochen nach hinten verschieben müssen.“

5.) Drücke deine Gefühle aus, z.B.: „Ich kann das nicht mit meinem Gewissen vereinbaren und fühle mich unwohl dabei.“

Grenzen setzen, NEIN sagen – Fassen wir kurz zusammen:

  • Mache dir bewusst, wo genau deine persönlichen Grenzen liegen und wann diese überschritten sind.
  • Vertraue dir, arbeite an deinem Selbstbewusstsein und lege endlich all deine Ängste ab.
  • Lerne, NEIN zu sagen, indem du meine Tipps anwendest.

    Ich wünsche dir viel Erfolg!




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